Ein Bauer hatte nur einen einzigen Sohn. Da ihm weitere Kinder trotz Opferns und Wallfahrens versagt geblieben waren, verhärtete sich sein Herz, und der Bub hatte keine leichte Jugend, zumal auch seine Mutter schon sehr früh starb. Als er herangewachsen war, verliebte er sich in eine arme Häuslerstochter. Auch das Mädchen fand Gefallen an dem Bauernsohn, und sie versprachen einander zu heiraten. Das missfiel dem stolzen Bauern, er wurde zornig und verbot dem jungen Mann den Umgang mit dem Mädchen. Er gehorchte nur sehr schweren Herzens. Auf seinem Sterbebett ließ der verbitterte alte Mann den Sohn schwören, dieses Mädchen nie zu heiraten.
Nach dem Tod des Vaters war es auf dem Hof still und einsam geworden. Der junge Bauer
hatte in all den Jahren seinen Schatz nicht vergessen. Seine Liebe zur ihr war stärker als sein Eid gegenüber dem Vater, und die Häuslerstochter wurde schließlich seine Frau. Ein Jahr waren sie glücklich verheiratetet, ein fünf Wochen altes Knäblein lag in der Wiege. Nach üblichem Brauch war dem Kind ein geweihter Taler in das Kissen eingenäht. Es war schon Spätherbst und Allerheiligen nicht mehr weit. Der Bauer half Nachbarn beim Dreschen. Die Bäuerin werkte in der Küche, als ein Fremder ohne Gruß in die Stube trat und sich todmüde an den Tisch setzte. Die Bäuerin grüßte, fragte nach dem Woher und Wohin und bot ihm etwas zu Essen an. Der Gast nahm das Anerbieten an. Sie verschwand in der Küche und servierte bald einen Teller Suppe. Der Fremde griff zum Löffel, doch merkwürdig, er hielt ihn verkehrt herum, so dass die Höhlung nach unten zeigte. Der Bäuerin dünkte dies nicht geheuer. Sie betrachtete den Gast genauer und erkannte ihren verstorbenen Schwiegervater. Eiligst holte sie ihren Mann. Er erkannte ebenfalls in dem Fremden seinen Vater und schrie ihn an: “Was willst du bei den Lebenden? Du gehörst nicht hierher!” Gleichzeitig riss er sein Kind aus der Wiege und drückte es fest an sich. Da sprang der andere auf und rief mit dröhnender Stimme: “Das war dein Glück! Ich hätte dich sonst zerrissen!” – und war verschwunden.
Noch im selben Jahr verstarben Bauer und Bäuerin.

Freundschaftswerbung - Anfrage per E-Mail

Copyright © by FSUI 2007

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

weitere Seiten Infos zu

Ferienwohnungen auf dem Bauernhof