Die bedeutende Kaufmannsstraße von Nürnberg nach Prag führte einst vorbei an Trisching. Ein holpriger Fuhrweg nur, wie alle Straßen jener Zeit, aber er war bevölkert von reichen Kaufleuten, die mit hoch bepackten Wagen in die Städte zogen, um dort ihre Waren feil zu bieten. Etwas abgeschieden, versteckt im dichten Wald, lag die “Schwärzer Mühle”, nach der noch heute ein Ortsteil Trisching benannt ist. Ein habgieriger Müller sollte sie mit einem Fluch belasten.
Fahrender Kaufmann zu sein war kein leichtes Geschäft, allzu oft mussten die Kostbarkeiten auf den Fuhrwerken gegen umherziehendes Gesindel verteidigt werden. Und gerade die Gegend um Trisching war verrufen, thronte doch auf dem nahe gelegenen Grafenberg eine mächtige Raubritterburg. Jeder Kaufmannszug, auf den es die hochfahrigen Ritter abgesehen hatten, wurde ausgeraubt, die Knechte erschlagen und die Kaufherren solange in den Turm gesperrt, bis reichlich Lösegeld für sie eintraf.
Eines Tages zogen ein Kaufmann und sein Gefolge das erste Mal durch diese abgelegene Gegend. Des Weges unkundig waren sie an diesem Tag nicht gut voran gekommen. Es dämmerte bereits, und sie waren noch mitten im Wald. Da stürzte der Raubritter mit seinen Gesellen aus einem Versteck hervor und tötete die Knechte. Als der Fremde sah, dass er nichts mehr ausrichten konnte, schwang er sich auf sein Ross und jagte auf und davon. Der Graf setzte nach, der Kaufmann ritt um sein Leben und konnte im Schutz der Dunkelheit entkommen. Lange irrte er umher und erreichte schließlich erschöpft die Schwärzer Mühle. Er erzählte dem Müller sein Missgeschick und bat um ein Nachtquartier. Dieser bedauerte ihn, hier sei er völlig sicher, und er könne eine ruhige Nacht verbringen. Der Müller hatte längst eine prall gefüllte Geldkatze bemerkt, die der Fremde um seinen Leib trug. Das viele Geld ließ den ränkevollen Mann nicht einschlafen. Um Mitternacht schlich er sich mit einem scharfen Beil in die Schlafkammer und erschlug den Ahnungslosen. Die geraubten Goldtaler brachte er in ein sicheres Versteck, den Toten vergrub er noch in der Nacht im Wald. Der Mord wäre nie ans Tageslicht gekommen.
Nach geraumer Zeit pochte ein vornehm gekleideter Reiter mit einem Jägerhut an das Tor der Mühle um ein Nachtlager zu erbitten. Seine Geldtasche erregte wieder die Aufmerksamkeit des habgierigen Müllers, und zur Geisterstunde ereilte den Jäger das gleiche Schicksal wie den Kaufmann. Der Müller legte sich ins Bett, fand aber diesmal keine Ruhe mehr, er dachte nur an Gold und Reichtum. Er erhob sich wieder und fing an, bei Kerzenschein das Blutgeld zu zählen. Da hörte er auf einmal die Haustüre gehen. Seltsam – hatte er sie nicht fest verriegelt? Angespannt lauschte er. Schritte näherten sich. Langsam öffnete sich die Tür, und eine sonderbare, furcht erregende Gestalt betrat den schwach beleuchteten Raum. Das Gesicht war über und über mit Blut besudelt, der Wams voll Erdreich. Kreidebleich und vor Schrecken gelähmt starrte ihn der Müller an. Der unheimliche Gast ließ sich am Tisch nieder. Er zog seinen Hut vom Kopf und gab den Blick auf zwei kurze Hörner frei. Unter dem Tisch berührte der Müller einen Pferdefuß. Da wusste er, wer ihm gegenüber saß. Plötzlich sprühten die Augen des Besuchers Feuer, und als die Worte “Bürschlein, hab ich dich endlich? – Jetzt bist du mein!” aus seinem Munde zischten, dampfte glühende Lohe heraus. Er packte den Müller und fuhr mit ihm zum Fenster hinaus.
Der Nachtwächter im Dorf wollte gerade die erste Stunde des neuen Tages ausrufen, da sah er über der Mühle den feurigen Schein. Eilends weckte er die Dorfbewohner, weil er an ein Feuer glaubte. Sie eilten herbei und als sie zur Mühle kamen, war von einem Brand weit und breit nichts zu sehen. Sie liefen ins Haus, heißer stinkender Schwefelqualm trieb sie zurück. Aus der Luft ertönte höhnisches Gelächter, und sie sahen den Leibhaftigen mit dem Raubmörder davonfliegen. Die Leute bekreuzigten sich, eilten nach Hause und zündeten geweihte Kerzen an, um das Böse zu bannen. Lange Zeit stand die Mühle leer. Eines Tages hörte im Dorfwirtshaus ein fahrender Müllersbursch die Geschichte. Er lachte darüber und zog in die verrufene Mühle ein. Lange Zeit war es ruhig, und er glaubte schon gewonnen zu haben. Aber um die Allerseelenzeit hörte er in der Kammer draußen ein Stöhnen und Jammern, Poltern und Schlagen.
Am anderen Morgen waren die Wände mit Blut bespritzt, alles war durcheinandergeworfen und wieder lag beißender Schwefelgestank in der Luft. Die Märe war also doch Wahrheit, und der Geselle machte sich schleunigst aus dem Staub.
Seitdem lag die Mühle verlassen da. Langsam verfiel das Gebäude. Erst nach hundert Jahren, die Geschichte war fast in Vergessenheit geraten, wagte sich wieder ein Müller an diese Stätte. Er baute die Mühle neu auf, und der Pfarrer von Trisching weihte sie sein. Für den Missetäter wurden zehn heilige Messen gelesen. Seit dieser Zeit herrscht nun endgültig Ruhe.

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