Oberpfälzer Masuren
Die Oberpfälzer Masuren
Nördlich und östlich von Schwandorf, zwischen Schwarzenfeld und Bodenwöhr, lag einstmals wohl das größte Sumpfgebiet der Oberpfalz. Darin soll nach dem Volksmunde auch eine Burg, eine Raubritterburg, gestanden haben der man den Namen Rauberhaus gegeben hatte. Es wird angenommen, dass sie wie viele andere in der Zeit der Schwedenkriege zugrunde gegangen ist. Trotzdem man die Stelle, andere sie gestanden war, zu kennen glaubte, deutet nichts mehr auf ihren Bestand, es seien denn die von Zeit zu Zeit an die Oberfläche geförderten Ziegelbrocken. Nach dieser Burg wurde auch der See der Rauberweiher genannt, und das später erbaute „Schloß“ bekam die Bezeichnung Rauberweiherhaus.
Eine Erinnerung dieser sonderbaren heimatlichen Stätte und Landschaft ist wohl damit gerechtfertigt, da ein wesentlicher Teil dieses Landstriches, man schätzt, bis in etwa drei Jahren, der Vernichtung preisgegeben ist, weil das Schwinden der Wackersdorfer Braunkohlenvorkommen es notwendig macht, auf die Kohle bei Rauberweiherhaus zurückzugreifen, die bis zu 27 m tiefen Flözen, manchmal nur 1 bis 3 Meter unter der Oberschicht liegt. Die Bauern dort wissen dass sie ihre Heimat verlieren müssen.
Die Landschaft wird von einer Reihe von Weihern gebildet, die durch Dämme voneinander getrennt, mit Wildnis von Strauch, Baum und Sumpfgewächs verwachsen, ein Dschungelgebiet ersten Ranges darstellen. Für den Nichtkenner des Gebietes wird es schwer halten, sich zurecht zu finden. Manchmal verwehren selbst dem Kenner dichter Bewuchs das Eindringen in die Wildnis. Es ist erst vor einigen Tagen vorgekommen, dass ein Ansässiger, der mit Wanderern auf Entdeckung ausging, Stellen kennenlernte, die ihm bisher unbekannt geblieben waren.
Rauberweiherhaus bildet mit seinen etwa 15 Gebäuden ungefähr den Mittelpunkt der Seenplatte. Die Häuser waren aus Holz gebaut und gehörten als Ställe oder Stadel zur Schloßanlage. Auf einem Bild an der Wand der Gaststube steht zu lesen: „Das Schlößchen wurde nach einer Inschrift der Wetterfahne Anno 1712 erbaut und gehörte dem Geschlechter der Sechser von Nabburg. Bartholomäus Sechser war der Erbauer, nach dem er im Jahre 1707 auf Rauberweiherhaus die Landesfreiheit erhalten hatte. Die Sechser führten einen Hirsch im Wappen. Nachdem auf dem Schlößchen bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts verschiedene Adelige gesessen hatten, wurde es als Mühle und Gasthaus eingerichtet.“
Bartholomäus von Sechser soll auch Forstmeister gewesen sein. Er starb im Alter von 83 Jahren am 13.12.1720. Sein Nachkomme, Salomon Joseph von Sechser, verkaufte das Schloß an Freiherrn von Wildenau, der es ebenfalls nur für kürzere Zeit behielt. Im Jahre 1733 erwarb Karl Sigmund Graf von Aufsess das Gebäude, der es 32 Jahre in Besitz hatte. Anno 1765 kam Rauberweiherhaus an Wilhelm Joseph Reichsfreiherrn von Murach auf Niedermurach (Stammburg war Burg Murach bei Oberviechtach). Die erste Frau des Grafen die in jungen Jahren gestorben sein soll, liegt in der Mühle begraben. Nach der Überlieferung befindet sich die Gruft, in der die Gräfin mit ihrem 3 Kindern schlummert, unter dem Schlafzimmer des jetzigen Besitzers. Graf Murach hat später noch einmal geheiratet. 1794 veräußerte er den Besitz an Max Reichsgrafen von Holnstein aus Bayern. May war der letzt Adelige von Rauberweiherhaus. Im Laufe von 80 Jahren hatten hier also fünf Adelsgeschlechter geherrscht. Drei Epithaphien in rotem Marmor, die ursprünglich in der Katharinenkirche zu Bruck standen, wurden nach der Umwandlung der Kirche in ein Schulhaus im Friedhof zu Bruck aufgestellt. Sie verweisen auf die Sechser. Besonders hervorzuheben ist, dass die Geschlechter auf Rauberweiherhaus die Gerichtsbarkeit besaßen, wie eine alte Urkunde beweist, die sich im Besitz des Müllers befindet. Darauf unterzeichnete noch das königlich Graf von Holnsteinsche Patrimonialgericht Rauberweiherhaus. Diese Gerichtsbarkeit reicht bis zum Steinsweiher. Erst dort begann diejenige von Kemnath. 1793-1796 ging das Schloß in Privatbesitz über. Und seit dieser Zeit haust hier das Dürrsche Geschlecht wenn es stimmt, dass der Urgroßvater vom heutigen Besitzer Bartholomäus Dürr, eine Tochter des Grafen von Holnstein geheiratet hat, so würde also in den Dürrschen noch adeliges Blut sein.
Das Gebäude, zwischen Rauberweiher und Mühlweiher gelegen, besteht aus einem Untergeschoß aus Stein. Das Obergeschoß ist von Fachwerk unterbrochen. Darüber sitzt ein wuchtiger Dachstuhl mit abgewalmtem Giebel. Es wird vermutlich der einzige Fachwerkbau im Bezirk Neunburg sein. Von 1712-1792 stand nur das Schloßgebäude. Der aus Holz errichtete Mühlenanbau fehlte. Alle Räume des Schlosses waren gewölbt, einige sogar im Tonnen. In der Kapelle hing ein Kreuzweg aus großen Podesten mit plastischen, holzgeschnitzten Figuren. (Eines hängt noch im Mühlenbau, hedoch ohne Figur.) Bis 1918 stand der Altartisch in der Kapelle; heute liegt er unter Holz verschichtet im Stallgebäude. Der Altarstein ist in der Wallfahrtskirche in Büchlberg bei Kemnath, der Kelch in der Pfarrkirche zu Kemnath zu finden. Das Meßbuch mit allen anderen Geräten ist verschwunden. Das Zimmer, in dem sich die Kapelle befand, heißt heute noch die Kapellenstube. Nur die Nepomukfigur in einem Bildstock vor der Mühle ist als Rest geblieben.
1796 wurde das Schloß in eine Mühle und Wirtschaft umgewandelt. Bis zum Blitzschlag am 13.09.1910 trug das Gebäude noch ein Schindeldach. Erst im Jahre 1948 wurde die bis dahin gewölbte und mit einem großen offenen Kamin ausgestattete Küche ausgebrochen.
Das ist alles so leicht hingesagt; birgt jedoch soviel Leben, Sorge Freude und Vergangenheit. – Wer aber beschreibt den Zauber der Landschaft um Rauberweiherhaus? Tausende von Seerosen blühen in der Einsamkeit. Erlenverhaue, Birkengänge, dunkle Föhren sind ineinander verschlungen. Über das Raunen des Schilfes perlt der Mövenschrei. Ein Paradies der Wasservögel breitet sich aus, in dem das Bläßhuhn, der Haubentaucher, das Teichhuhn, der Storch, Fischreiher und viele Entenarten leben. Unter, auf und über dem Wasser pulsiert eine Geschäftigkeit, die sich besonders zur Zeit der Wanderzüge der Vögel ins Üppige steigert. Die Rohrweihe, der wüste Räuber, schießt durch ihr Jagdrevier und macht alles,, was da kreucht und fleucht, unsicher. In einigen Fällen erinnern sich die Bewohner sogar des Seeadlers, der zum Gastfluge oft wolkenan stieg.
Die wenigen Bewohner dieser Landschaft leben still, gehalten von ihrer zum Sinnieren geneigten Umgebung. Manch alte Sage liegt streng behütet hinter ihren Lippen und nur manchmal hört man von Nebelfrauen, Wassermännern oder ähnlichen Gebilden der Phantasie reden. Doch niemand denke, dass die Abgeschiedenheit dieser Menschen zu Lasten der Gastfreundschaft gehe! Wer beim Wirt einkehrt, wird erstaunt sein über das Ausmaß an Vertrauen. Da kommt die volle Butterkugel, die Kanne und der Brotlaib auf den Tisch, und das feststehende Messer wird altem Brauch gemäß angeboten. „Greif zu!“ heißt es dort.
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